
Freudenberg, 11.07.2010 01:46 Uhr
Am 22. Oktober soll im "Alten Backes" an der Kölner Straße wieder neues Leben einziehen. Das Fachwerkhaus inmitten des Alten Fleckens soll dann zu einem Treffpunkt für Jung und Alt werden.
Noch lässt sich kaum erahnen, dass sich in den Räumen irgendwann einmal Touristen über Sehenswürdigkeiten informieren, Nutzer der Stadtbücherei nach Lesestoff suchen oder Jugendliche im Dachgeschoss einer Live-Band lauschen. Überall ist noch der blanke Steinboden oder die graue Dachdämmung sichtbar, hängen Stromkabel aus den Wänden, und auch der Zugang zum Obergeschoss ist nur über eine Behelfstreppe zu erreichen.
Aber die Verantwortlichen der Stadtverwaltung sind optimistisch, dass hier, am Rande des Alten Fleckens, ein zentraler Treffpunkt für junge und ältere Freudenberger, Einwohner und Gäste entstehen könnte.
Ein Blick zurück: 1950 wurde das Gebäude als Ersatz für den ehemaligen Backes auf den Grundmauern des Backhauses aus dem Jahr 1773 errichtet. Es war das größte im Siegerland, mit drei Öfen und Schornsteinen massiv aus Bruchstein gemauert. Der Neubau diente zunächst als Sanitäts- und Versammlungsraum mit vier Wohnungen im Ober- und Dachgeschoss, die als Übergangswohnungen für Vertriebene in Folge des Zweiten Weltkriegs benutzt wurden. Im Zuge der Jugendzentrumsbewegung wurde das untere Geschoss Mitte der 1970er Jahre an den "Aktionskreis Offene Jugendarbeit Freudenberg" (AJF) übergeben. Bis 1988 wurden die Räumlichkeiten als Jugendtreff genutzt. Nach Auflösung der AJF wurde die Räume von der Stadtjugendpflege übernommen und als städtischer Jugendtreff betrieben. Ein Wasserschaden machte im Jahr 2005 sowohl die Vermietung der Privaträume als auch die weitere Nutzung unmöglich.
Im März 2006 stellte der Hauptausschuss der Stadt Freudenberg die Weichen für ein neues Nutzungskonzept: Das Haus soll Anlaufstelle für Touristen werden und gleichzeitig Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen als Treffpunkt dienen.
Dabei wollen die Verwaltungsmitarbeiter lediglich das Grundgerüst der späteren Nutzung vorgeben: Das Touristikbüro soll Anlaufstelle für alle Besucher der Stadt werden. Stadtführungen und -rundfahrten werden hier ebenso koordiniert wie die Vermittlung von Fremdenzimmern oder der Verkauf von Eintrittskarten. Die Stadtbücherei zieht mit ihrem kompletten Angebot von der Schulstraße in den "Flecken" und soll auch als Ort für Veranstaltungen der Jugendpflege und des Kulturbüros genutzt werden. Der Jugendtreff soll den jungen Einwohnern zur Verfügung stehen - mit offener Jugendarbeit zu festen Öffnungszeiten und einem flexiblen Angebot mit diversen Kooperationspartnern.
Was sich darüberhinaus im Alten Backes abspielen wird, hängt im Wesentlichen vom Engagement und dem Bedarf der Freudenberger Vereine, Verbände und Institutionen ab. Offene Ganztagsschulen oder Tagesmütter können die Räumen ebenso nutzen wie Vereine oder Jugendgruppen. Generationsübergreifende Veranstaltungen wie Computerkurse oder Lesungen, aber auch altersspezifische Angebote wie Vortragsreihen oder Pflegekurse sind denkbar.
Externe Besucher sollen die Räume je nach Verfügbarkeit nutzen können. Die "FRids-Kids" als Veranstalter von kreativen Kinder- und Jugendangeboten sind hier ebenso angesprochen wie die Verein "Mädchen in Not", "Atempause", "Alter Aktiv" oder das Kreisjugendamt mit seine sozialen Gruppenarbeit und Beratungsangeboten.
"Soweit sich ehrenamtliche Mitarbeiter begeistern lassen, wäre auch ein Anwohner- oder Jugend- oder Seniorencafé möglich", ergänzt Touristikleiter Jens Benner. Die Kosten sind laut Verwaltung und trotz aller Widrigkeiten nicht weiter aus dem Ruder gelaufen. 1,13 Millionen Euro lässt sich die Stadt ihren neuen Treffpunkt kosten.
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