
Kreuztal, 18.01.2012 01:15 Uhr
Gleich mehrere Stunden flackerten am Samstagvormittag in der beschaulichen Nebenstraße "In der Höllenbach" die Blaulichter von Feuerwehr und DRK rund um zwei ausrangierte Unfallwagen; das Ordnungsamt hatte mit Absperrbaken die Durchfahrt gesperrt. Ein Unglück im Krombacher Neubaugebiet? Sozusagen ja, jedenfalls laut Drehbuch.
Das stammt aus den Händen von angehenden Medienwissenschaftlern der Siegener Universität und ist die Grundlage für einen Imagefilm, den die Studierenden im Auftrag der Stadt Kreuztal derzeit produzieren. Mit dem drei- bis vierminütigen Streifen will die Kommune als Träger des Feuerschutzes in Kreuztal für die Mitarbeit in den Reihen der aktiven Feuerwehrleute werben und damit den Personalbestand sichern. Dafür war es auch dem achtjährigen Tim Schneider wert, am Drehort kalte Füße zu bekommen. Er hatte - laut Drehbuch - den Ball Richtung Straße gekickt, der den Verkehrsunfall zur Folge hatte, in dessen Nachgang ein junger Autofahrer die Hilfe von Feuerwehr und Rettungsdienst erlebt. Die Gesichter, die er an der Unfallstelle unter den Helmen der Einsatzkräfte wahrnimmt, begegnen ihm einen Tag später im Kreuztaler Alltag wieder: die Feuerwehrfrau Eileen im Blumenladen, oder ihr Feuerwehrkollege Martin, wie er mit seiner Familie in der Stadt spazieren geht. Die Botschaft des Films ist klar: Er soll Identität und Empathie mit denen stiften, die im Notfall zur Stelle sind, aber eben "normale" Kreuztaler Bürger sind wie du und ich.
Zahlreiche Imagefilme hatte sich das 14-köpfige Team Studierender angeschaut, bevor mit den Ideen aller ein Drehbuch für den Kreuztaler Feuerwehr-Imagefilm entstand. Die jungen Filmer wollten weg vom Klischeestreifen, der nur von Action-Szenen und Helden-Klischee lebt. "In unserem Film stehen die Menschen an erster Stelle, erst dann kommen Action und Einsatz", stellt Michel Gandon klar, der in dieser Produktion Regie führt.
Sechs Tage lang drehten die Studierenden mit einer professionellen Filmausrüstung die Szenen ab - am Samstag dann der finale "Dreh" mit dem Unfallgeschehen und einer technischen Hilfeleistung der Feuerwehr. Am Krombacher Filmset herrschte diszipliniertes Arbeiten, als die Feuerwehrleute den Anweisungen der Regie folgten. "Ich hatte gedacht, dass es zäher wird", resümierte Regieassistentin Lina Bali das Miteinander mit der Feuerwehr; die Einsatzkräfte hätten vorbildlich reagiert und mitgearbeitet. Das konnte man vom Wetter allerdings weniger behaupten: Binnen sechs Drehstunden bot der Himmel mit seinem Wechsel aus Graupelschauer und durchbrechender Sonne so ziemlich alle Lichtstimmungen eines unentschlossenen Januarwetters. Kein wirkliches Problem für den Schnitt, weiß Michel Gandon: "Unsere Postproduktion ist da eigentlich auf Zack."
Die findet in den nächsten Wochen in den Schnitträumen der Uni Siegen statt, so dass der fertige Film in wenigen Wochen im Kreuztaler Rathaus vorliegt. Klar sind in den Reihen der Kreuztaler Stadtfeuerwehr nicht nur die freiwillig rekrutierten Darsteller gespannt, ob das Endergebnis genau jenes Image transportiert, das Bürger für den Feuerwehrdienst "anlocken" kann. Kreuztals Feuerwehrchef Berthold Braun jedenfalls hatte am Samstag ein Auge darauf, dass die abgedrehten Szenen - wenn auch frei erfunden - realitätsnah umgesetzt wurden. Wenn der Streifen gelungen ist, könnte er jedenfalls prominent platziert werden: Als Werbefilm in den heimischen Kinos, auf diversen Internetseiten oder auch als kurzer Einspieler auf großen Veranstaltungen in Kreuztal. Image hin oder her, die Botschaft ist so oder so eindeutig: Die Kreuztaler Feuerwehr braucht dauerhaft Verstärkung.
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