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UMDENKEN ERFORDERLICH

Atom-Pause: Zu spät und rechtzeitig zugleich

Siegerland, 16.03.2011 16:30 Uhr

Die Ankün­di­gung der Bundes­kanz­lerin Angela Merkel, die Lauf­zeit­ver­län­ge­rung für Atom­kraft­werke in Deutsch­land auszu­setzen, und gleich­zeitig alle Werke „ohne Tabus“ zu prüfen, kommt zur rechten Zeit und zu spät zu gleich.

Zu spät – denn, wie so oft, musste es erst zum Unglück kommen, ehe gehandelt worden ist. Die mahnenden Worte vor der Unbeherrschbarkeit einer Technologie, bei der Segen und Fluch so nah beieinander liegen: jahrelang sind sie stumm verhallt. Bis es schließlich in Japan krachte und Berlin plötzlich erwachte. Innerhalb kürzester Zeit erfolgte die Reaktion, auf einmal ist man sich einig: Alles muss schonungslos auf den Prüfstand. Sollte das nicht eine Selbstverständlichkeit sein?
Zur rechten Zeit – das kann man zynisch betrachtend natürlich angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz behaupten. Die Angst – das zeigt auch unsere Umfrage oben – ist groß. Der erfolgte Schritt schafft erstmal Vertrauen. Und womöglich, wo Menschen in Krisen ohnehin dazu tendieren, Regierungen den Rücken zu stärken, auch benötigte Stimmen.
Auch wenn man der Kanzlerin und ihrem Kabinett politisches Kalkül unterstellt, ist die vorbehaltlose Analyse des Ist-Zustandes deutscher Atomkraftwerke der einzig richtige Schritt und einer Kurzschluss-Reaktion vorzuziehen.
Doch nur wenn auch international der Ausstiegs-Wille erkennbar wird, den Deutschland jetzt als Vorreiter einnimmt, macht der Atom-Stopp Sinn. Denn was nutzen nationale Konsequenzen, wenn uns anschließend die Reaktoren in Bulgarien, Frankreich, Rumänien, Russland oder Slowenien um die Ohren fliegen? Vor Ländergrenzen macht der atomare Fallout bekanntlich nicht Halt.

Tim Plachner

 

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