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Hilfsdienste vermisst

Meschede, 20.04.2010 15:44 Uhr (Bjã¶rn Theis)

Mehr Erholungsmöglichkeiten, flexible Hilfs- und altersgerechte Angebote: Das sind die Wünsche, die die Mescheder Senioren an ihre Stadt haben. Im Frühjahr hatte der Seniorenbeirat Meschede in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis "Leben im Alter" des Lokalen Bündnisses für Familie bei älteren Bürgerinnen und Bürgern eine Umfrage gestartet. Die Ergebnisse wurden am Montag vorgestellt.

Feststellen wollte man anhand der Umfrage, wo Dinge für Senioren zukünftig verändert oder ergänzt werden müssen. Von 500 Fragebögen, die im Stadtgebiet an ältere Bürgerinnen und Bürger verteilt wurden, kamen 190 ausgefüllt zurück. "Ein sehr gutes Ergebnis", meinte Hubertus Barbier, Vorsitzender des Seniorenbeirats Meschede. 84 Prozent der Fragebögen stammten dabei von Senioren aus der Kernstadt. "Enttäuschend, dass die Beteiligung aus den Ortsteilen so gering war", fand Erwin Wiesemann vom Seniorenbeirat. "Und das, obwohl wir Hilfestellung angeboten haben", fügte Stefanie Schmidt hinzu. Es bestehe an diesem Punkt anscheinend eine gewisse Scheu, vermuteten die beiden Mitglieder des Seniorenbeirats.

Senioren wollen selbständig leben

89 Prozent der Befragten wünschen sich, möglichst lange selbstständig beziehungsweise gut betreut und mit bezahlbarer Hilfe in den "eigenen vier Wänden" zu leben. Wohngemeinschaften und Wohnheime werden als Alternative nur selten genannt — ein Aspekt, der sicher auch mit der aktuellen Wohnsituation der Befragten zusammenhängt. "Formen wie Haus- oder Wohngemeinschaften werden künftig aber sicher immer mehr gefragt sein", glaubt Barbier. Eine Entwicklung, für die sich der Seniorenbeirat verstärkt einsetzen will. "Wohnungsbaugesellschaften und Architekten sollten sich darauf einstellen", so der Vorsitzende. Weil die älteren Menschen möglichst lange selbstständig bleiben wollen, kommt den Angeboten zur Unterstützung eine besondere Bedeutung zu. Hilfsdienste wie Bring- und Einkaufsservice sowie Alltagshilfe finden aber bei den Befragten im Allgemeinen eine eher negative Resonanz. Gut 34 Prozent bewerteten sie sogar mit ungenügend. An diesem Punkt — sagte Ulrike Starkulla vom Arbeitskreis "Leben im Alter" der Stadt Meschede, müsse nun genauer hinterfragt werden, ob vielleicht auch ein Informationsdefizit bei diesen Angeboten herrsche oder diese einfach zu wenig beworben würden. "Klar ist, dass die Senioren auch bereit sein müssen, für diese Hilfen etwas auszugeben", meinte Margarete Kasfeld vom Seniorenbeirat.

Handlungsbedarf sehen die Umfrageteilnehmer in der Beurteilung der vorhandenen Sitzmöglichkeiten. Ein Drittel bewertete die fehlenden Sitzgelegenheiten in der Öffentlichkeit als ungenügend, das Fehlen von Sitzgelegenheiten in Geschäften kritisierten sogar zwei Drittel.

Ohne großen finanziellen Aufwand könnte die Stadt eine Verbesserung der Situation für ältere Menschen hinbekommen, findet Stefanie Schmidt. "Andere Städte", meint die Mitstreiterin im Seniorenbeirat, "sind den Senioren hier näher."

Da im Zusammenhang mit dem Handel weitere Wünsche wie Ablagemöglichkeiten für Taschen, größere Preisschilder und anderes genannt wurden, wird der Seniorenbeirat die Aktion "Demografischer Wandel — Chance für den Handel" des Landes Baden Württemberg aufgreifen. Ziel sei es, so Barbier, die Anregungen gemeinsam mit den hiesigen Verantwortlichen zur Sprache zu bringen. Zufrieden zeigten sich die Befragten mit den Angeboten in den Bereichen Unterhaltung, Gesundheit/Sport, Kultur und Beratung und hoben teilweise sogar die Bandbreite positiv hervor. Als Informationskanal rangiert für die älteren Bürgerinnen und Bürger die Zeitung deutlich an erster Stelle.

Zeitungen an erster Stelle

Gut 86 Prozent gaben an, so von Angeboten im Stadtgebiet zu erfahren, gefolgt von den Gemeinde- und Pfarrbriefen (53,26 Prozent) und der Mund-zu-Mund-Propaganda (46,74 Prozent).

Älter werden sei im Zeitalter des demografischen Wandels mehr als nur ein Versorgungsproblem, merkte Barbier abschließend an. "Seniorenpolitik ist heute eine gesellschaftspolitische Gestaltungsaufgabe", so der Vorsitzende des Seniorenbeirats. Auch bei der Wahrnehmung dieser Aufgabe sollen die Ergebnisse der Umfrage helfen.

 

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